Laudatio und Vortrag Animation & Automatisierung

28.10.11 21:26

Von: Tobias Günther

Foto der Preisträger und Juroren, Foto: SAE (Ausschnitt)

Höhepunkt auf der SAE Convention in Berlin war für mich das Halten der Laudatio für den Gewinner-Film in der Kategorie Kurzfilm. Als geladener Speaker danke ich für die super Organisation, eine perfekte Ausrüstung und für freie Kost und Logis!

Auf der diesjährigen SAE-Convention (13.-14.10.) in Berlin habe ich Beispiele präsentiert, wie die Herstellung von Animationen durch alle Arten von Automatisierung vereinfacht werden konnte. Beispielsweise muss eigentlich heute kein Character-Artist noch endlos Key-Frames hacken, da sie/er durch Skelett-Muskel-Modelle unterstützt werden kann. Weitere Beispiele: Physikalisch-realistische Simulation, automatische Erstellung von Slidesshows und Web-Apps (natürlich hier Verweis auf Showrooms), vollkommen-geskriptete Herstellung von kompletten Städten am Fließband u.v.m. Ich habe hier auch Vergleiche zur Industrialisierung im 20. Jhd angestellt, welche die Art der Produktherstellung völlig umgekrempelt hatte. Alle Videos, Bilder und ein Transkript des Vortrags gibt es im Whitepaper Bereich.

Ich hatte außerdem das Vergnügen als Juror die Laudatio für den Gewinner-Film Ausgebrannt von Michael Haas und Thomas Schienagel in der Kategorie "Kurzfilm" zu halten, die ich hier gerne nocheinmal abdrucke.

Laudatio für den Gewinner in der Kategorie Kurzfilm

Die EU schaltete die alten Glühbirnen ab.
 
Auch im Film Durchgebrannt naht der Glühbirne Kevin das schnelle Ende. Es gilt der drohenden Auswechlung zu entfliehen.
Auf der Flucht in die Freiheit steht Frank - eine alte Motte - helfend zur Seite. Gemeinsam kämpfen Sie sich durch. Phasen der Ruhe wechseln sich ab mit Phasen des drohenden Nahtods. 
 
Die Geschichte ist poetisch erzählt, Flöten, Trompeten und Posaunen unterstützen die Story präzise und tragen sie von einem Höhepunkt zum anderen.
 
Seit dem ersten Frame war ich überzeugt, dass die Produzenten Herr Haas und Herrn Schienagel ihr Handwerk mehr als nur verstehen. Verhalten & Mimik der Glühbirne Kevin erzeugt sofort eine Beziehung zum Zuschauer. 
Jeder wünscht sich nichts sehnlicher, als das Kevin und Motten-Frank der Technologieübermacht in Form eines gierig-zerstörerischen LED-Lampen-Mobs entkommen.
 
Die Interaktionen zwischen Motte und Glühbirne sind harmonisch. Die lebendige Fluganimationen der Motte ist überzeugend, das Charakterverhalten von Frank ist sympathisch-drollig.
 
Die Kamerafahrt brilliert mit unerwarteten Perspektiven und wechselt siuationsbezogen im schnellen Tempo. Selten war ein Blick durch ein altes Glühbirnenglas so spannend wie bei "Durchgebrannt". Effekthascherei hat der Film nicht nötig, Reflektion, Lichtbrechung, alles unterstützt wirkungsvoll die Atmosphäre.
 
Am Ende des Film folgt die Erleichterung und entschädigt für die angespannten 9 Minuten. Es ist ein Animations-Meisterwerk.


Ich danke meinen Juror-Kollegen Ulrike Krauth und Sönke Kichhof, die mich beim Verfassen der Laudatio-Rede unterstützt haben.