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Apple hatte Flash in einem offenen Brief vom April 2010 den Kampf angesagt. Die Gründe, die zu einem Verbot von Flash auf iOS-Geräten geführt haben sollen, sind, dass Flash proprietär ist, also kein offener Standard, ständig abstürzt, eine hohe CPU-Last erzeugt und technologisch immer nur den kleinsten gemeinsamen Nenner aller Plattformen umsetzen würde. Adobe's Flash würde sich nach dieser Theorie auch unendlich viel Zeit lassen, neue Technologien wie z.B. Gestenerkennung oder Lageerkennung auf dem IPAD und Iphone zu unterstützen.
Apple's Nachricht an die Welt war ungefähr so: „Vergesst Flash, nehmt HTML5 und Javascript“. Dies ist tatsächlich zu einem Großteil auch möglich, denn alles, was bisher (oder zur Zeit) mit Flash gebaut wird, kann auch per HTML5-Javascript umgesetzt werden (Gegenbeweise wurden noch nicht erbracht). Nur, die Umstellung braucht Zeit. Der Großteil der bewegten Welt verweilt deshalb noch im Flash-Zeitalter. Allerdings hat Flash seinen Peak erreicht. Nachdem sich bereits Scribd als großes Dokumentenplattform offiziell von Flash abwandte, kehrt nun auch eine größere Medienseite Flash den Rücken zu, mit dem Argument, dass auch mobile Besucher (speziell die IPAD-User) auf der Webseite willkommen sein sollen.
Erstaunlicherweise bläst selbst Microsoft in das HTML5-Horn und schickt scheinbar damit sein eigenes Silverlight in die Versenkung. Dies kam bei der Microsoft-Entwicklergemeinde natürlich nicht gut an, da sich diese nun auf HTML5 umstellen muss und das teuer erkaufte Microsoft-Wissen damit bald brach liegt.
(in der Grafik steht das Gewicht mit der "8" für den IE8, der kein HTML5 unterstützt. Das Problem: WinXP-User können nicht auf einen neueren IE aufrüsten)
Aber auch andere Entwickler sehen in Flash noch Potential mit dem Argument, daß HTML5 für den Entwickler eine Umstellung bedeutet, allerdings für den Enduser nicht viel neues bringen kann.
Für mich ist allerdings klar: Die Zukunft des bewegten Bildes liegt bei HTML5. Dafür gibt es aus meiner Sicht fünf wichtige Gründe:
HTML5 ist ein offener Standard, eine Gemeinde und nicht eine Firma bestimmen die Geschichte und Nutzung
HTML5 ist nativ im Browser eingebaut. Es müssen keine Plugins mehr für Interaktion oder Multimedia extra geladen werden, damit sinken die Ladezeiten
HTML5 & Javascript kann die Webseite direkt manipulieren. Damit sind neue Anwendungen & flexiblere Programme möglich, die zudem noch barrierefreier sind, als es das geschlossene Flash jemals sein kann
HTML5 hat eine noch restriktivere Spezifikation als das bisherige HTML, welche auch vorschreibt, welcher Tag wie im Browser gerendert oder verarbeitet werden soll. Damit gibt’s dann genau so Design-Once-Run-Everywhere Anwendungen wie man es von Flash gewohnt ist. Die Hoffnung ist auch, dass man auf Browserweichen bald komplett verzichten kann
Videoapplikationen, die mit HTML5 gebaut werden, laufen auf allen modernen Browsern und auch auf Apple's IPad. IPad-Nutzer möchte man sicher auch gerne zu seinen Kunden/Konsumenten zählen.
HTML5 als Standard-Plattform zum Abspielen von Videos nimmt langsam Fahrt auf. Youtube hat schon seit längerem eine Testseite und konvertiert nach dem Upload bereits alle Formate in einem HTML5 kompatiblen Codec. Die Embeds von Vimeo, Youtube, BlipTV sind bereits als HTML5-Video verfügbar, bzw. switchen dynamisch bei Bedarf auf eine HTML5-Version.
Der Einsatz von HTML5 in der Video-Werbewelt lässt auch nicht länger auf sich warten. Die ersten Videoportale bieten hierfür bereits entwickelte Lösungen an.
Alle aktuellen Browser haben bereits HTML5 an Board. Es gibt auch genügend Testseiten, wo HTML5 live auf dem eigenen Browser erlebbar ist.
Doch wie sieht es mit der Verbreitung HTML5-Video fähiger Browser aus: Laut FlowingData lag die Verbreitung von HTML5-fähigen Browsern bei 40% was zum größten Teil der hohen Verbreitung von IE7 und IE8 geschuldet war. Werden allerdings die Statistiken von w3schools bemüht, sieht die Sache schon etwas rosiger aus. Die Juni-Zahlen für IE8, IE7 und IE6 Nutzer fallen hier deutlich geringer aus, so dass demnach 80% aller User mit HTML5-fähigen Systemen arbeiten.
Und selbst an eine Brückentechnologie wurde gedacht: Mit Hilfe von Tools wie Wallaby und Swiffy können Flash-Apps in HTML5-Apps verwandelt werden, die zumindest auf WebKit-Browsern wie Chrome und Safari größtenteils laufen.
Also alles soweit in bester Ordnung? Leider nicht ganz. Ein kleines Regenwölkchen betrübt die Web-Entwickler: Zur Zeit gibt es noch keine Einigung darüber, welcher Codec denn nun der Richtige ist, um HTML5- Videos abzuspielen. Jeder Browser-Hersteller hat da eine andere Meinung, was sicher auch damit zu tun hat, ob man zu den Patentinhabern des jeweiligen Codecs gehört oder nicht.
Google Chrome nutzt den selbst entwickelten WebM-Codec. Ipad's Safari möchte nur mit dem hardware-gestützten H.264-Codec Videos spielen und Firefox läuft bevorzugt mit dem freien Theora Codec.
Die folgende Tabelle ist eine überarbeitete Variante der Wikipedia HTML5-Video Tabelle und zeigt eine Übersicht, auf welchem Browser welcher Codec abgespielt werden kann.
| |||
Patentbesitzer | frei | frei | |
IE9 | - | ja | - |
Firefox 5 | ja | - | -*1 |
Chrome 12 | ja | -*2 | ja |
Safari PC & IPAD 4.0.5 | - | ja | - |
Opera 11 | ja | - | ja |
*1 Wikipedia meint, dass Firefox WebM abspielen kann, das konnten wir bei Tests nicht bestätigen
*2 im Januar 2011 hat Google angekündigt, den Support für H.264 einzustellen,allerdings unterstützt Chrome den Codec immer noch, wie lange, weiß aber keiner. Nur im Cromium lief H264 leider nie.
Zur Zeit muss eine Webseite, die Videos per HTML5 bereitstellen will, noch in den sauren Apfel beißen und alle 3 Codecs (siehe Tabelle oben) anbieten, damit das Video auf allen Plattformen läuft. Dies bedeutet allerdings dreifach soviel Speicherverbrauch auf dem Server, wo hingegen bei Flash nur ein Video gespeichert werden musste. Der Browser des Clients bekommt mit dem Source-Tag eine Liste von verfügbaren Codecs und sucht sich dann den für ihn passenden raus, so dass der User in den meisten Fällen nur das Video ausgeliefert bekommt, welcher sein Browser tatsächlich auch darstellen kann (eine Ausnahme stellt der Chromium 12 Browser dar, der einfach mal das H.264 File bis zur Hälfte lädt, es dann verwirft und zur WebM Version wechselt).
Neben diesem Codec-War existieren aber noch ein paar kleine Browser- und Plattform typische Macken, die eine Design-Once-Run-Anywhere Erfahrung zur Zeit noch erschweren. Das fängt damit an, daß durch die verschiedenen Codecs das Video unterschiedliche Qualität hat. Weiterhin wollen Safari-Browser bei einem Wechsel des Videos gerne noch eine extra Aufforderung, um das Video tatsächlich abzuspielen. Und natürlich sehen bei jedem Browser die Bedientasten, Zeitleiste, Ladestandsanzeige anders aus, bzw., der eine Browser zeigt diese durchgängig an, der andere nicht, der eine Browser zeigt eine Video-Lade-Animation, während das Video vorgepuffert wird, der andere nicht etc.
Sehr inkonsistent ist auch, dass Videos auf iOS Geräten nicht von selbst starten können. Das wird vom mobilen Safari-Browser verboten und soll hier den User schützen, der nicht für Datenvolumen zahlen soll, die er nicht selbst ausgelöst hat.
Durch die native Integration von HTML5 in den Browser werden neue Anwendungen auftauchen, welche auch die technischen Finessen von mobilen Geräten unterstützen. Die Publisher werden sich diesen neuen Möglichkeiten bedienen, sobald sie eingesehen haben, dass Web-Videos mehr sein können als ein gekürzter TV-Clip, z.b. wenn dieser mit interaktiven Inhalten versehen wird.
Viele Fragen bleiben aber zur Zeit noch ungeklärt: Wie schneidet Deutschland im Vergleich ab bzgl. der Nutzung von Web-Videos? Wie viele Seiten nutzen bereits HTML5 als Videoplattform? Wird durch HTML5 das Abspielen und Verteilen von Videos tatsächlich leichter und schneller? Wie schnell wird sich HTML5 ausbreiten und wird Flash womöglich völlig verdrängt werden? Die Zukunft wird es zeigen.
Lesen Sie in Teil 1: Online-Video: Flash brachte den Durchbruch